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Für alle, die gerade nach einer neuen Herausforderung Ausschau halten, lohnt sich ein genauer Blick auf die beiden Konkurrenten.

Platzhirsch gegen Herausforderer – Karrierechancen bei Volkswagen und Tesla im Vergleichscheck

Grünheide in Brandenburg statt Silicon Valley in Kalifornien: Mit der neuen Gigafactory nahe Berlin schafft Tesla zahlreiche neue Jobs in Deutschland. VW setzt indes alles daran, seinen Status als Branchenprimus der Automobilindustrie auch im zunehmend an Fahrt aufnehmenden Zeitalter der Elektromobilität zu erhalten. In der Folge entstehen diverse neue Stellen, nicht zuletzt für gut ausgebildete Fachkräfte.
So sollten nicht nur Autoenthusiasten und Umweltschützer die Neuausrichtung der beiden Konzerne im Auge behalten. Auch für alle, die gerade auf Jobsuche sind oder nach einer neuen Herausforderung Ausschau halten, lohnt sich ein genauer Blick auf die beiden Konkurrenten.

Eine Frage der Präferenzen: langfristige Stabilität oder schneller Aufstieg?

Wie so oft im Leben gibt es nicht die pauschal „bessere“ Wahl. Je nach individuellen Lebensumständen, Karriereplänen und bevorzugter Unternehmenskultur bieten VW und Tesla unterschiedliche Möglichkeiten für verschiedene Persönlichkeiten.
Während VW geradezu als Sinnbild des soliden, etablierten und bis ins Detail durchstrukturierten Konzerns gelten kann, liegt bei Tesla nach wie vor Start-up-Atmosphäre in der Luft.

Vor allem für ambitionierte Führungskräfte, denen die schnelle persönliche Weiterentwicklung wichtig ist, könnte Tesla das Unternehmen der Wahl sein.
Aufgrund des kompletten Neuaufbaus der deutschen Produktionsstätte bietet das Unternehmen um Elon Musk gute Chancen für Fachkräfte in diversen Bereichen.
Dank flacher Hierarchien eröffnen sich für Personen, die mit dem Druck einer knallharten Leistungskultur gut klarkommen, zügig weitreichende Aufstiegschancen. Allerdings ist Tesla auch bekannt dafür, dass ein Konflikt mit CEO Musk ein schnelles Ende der Laufbahn beim E-Auto-Pionier zur Folge haben kann.

Auch VW ist auf der steten Suche nach qualifiziertem Nachwuchs. Zwar verläuft die Karriere beim Wolfsburger Konzern eher nicht so steil, wie dies beim US-Konkurrenten potentiell möglich ist, dafür stehen hier die Chancen auf ein langfristiges Engagement ausgezeichnet. Dies unterstreicht der extrem hohe Anteil an Eigengewächsen in den höchsten Ebenen – laut Eigenangabe kamen auf der obersten Managementebene 2020 gerade einmal 1,5 Prozent der Führungskräfte von außen. Aufstiegschancen gibt es also auch hier reichlich, nur gilt es hierfür tendenziell etwas mehr Zeit einzuplanen. Dafür bietet diese dank der weiten Verzweigung des VW-Konzerns viel Abwechslung. Wer sich für den betriebsinternen Aufstieg empfehlen möchte, durchläuft zunächst ein obligatorisches, unternehmenseigenes Qualifizierungsprogramm. Kommende Top-Manager und Vorstandsmitglieder müssen sich überdies in verschiedenen Bereichen und Konzern-Marken in mehreren Ländern beweisen.

Faktor Einkommen – wer zahlt was?

Wer es nicht allzu eilig hat, darf sich bei VW auf einige Vorzüge freuen. So bieten die Wolfsburger laut Branchenkennern und Arbeitgeberbewertungsportalen Gehälter teilweise deutlich oberhalb des Branchenschnitts. Fachkräfte erwartet ein Jahreseinkommen um die 100.000 Euro, im oberen Management sind inklusive Boni und Sonderleistungen gut und gerne mittlere sechsstellige Summen möglich.
Von absoluten Topstellen abgesehen – hier sind als Grundgehalt durchaus über 300.000 Euro erwartbar – kann Tesla in diesem Punkt nicht mithalten. Laut dem Arbeitgeberbewertungsportal Kununu verdient ein Ingenieur hier durchschnittlich rund 72.000 Euro, Manager dürfen mit gut 100.000 Euro rechnen.

Zusatzleistungen und Besonderheiten

Eine spezielle Rolle spielt bei VW der gewerkschaftliche Organisationsgrad von über 80 Prozent. Selbst bis in die Reihen des oberen Managements reicht diese Besonderheit. Eng damit verknüpft hat auch der Betriebsrat ausnehmend großen Einfluss auf die Entscheidungen der Konzernspitze. Gegen den Widerstand von IG Metall oder des starken Betriebsrats lassen sich in Wolfsburg kaum Entscheidungen durchdrücken. Für Führungskräfte kann dies Fluch und Segen zugleich bedeuten. Einerseits profitieren auch sie von dieser starken Interessenvertretung. Anderseits kann dies aber auch die Entscheidungsfindung zäh und anstrengend gestalten, besonders hinsichtlich der Personalpolitik.

Dafür bietet VW ein ansehnliches Paket an Zusatzleistungen. Neben den im Hausvertrag festgesetzten 30 Tagen Urlaubsanspruch werden zwei zusätzliche freie Tage garantiert: Heiligabend und Silvester werden somit zu reinen Familientagen, ohne das Urlaubstagekonto belasten zu müssen. Weitere Pluspunkte hier sind die betriebliche Altersvorsorge, die Existenz eines Lebensarbeitszeitkontos und neuestens ein konkretes Sabbatical-Angebot über drei bis sechs Monate bei Erhalt von 75 Prozent des Tariflohns. Je nach Standort ist ein Zugriff auf eigene Reha- und Fitnessangebote sowie Kitaplätze möglich. Nicht zuletzt schließt VW betriebsbedingte Kündigungen bis 2029 aus und ermöglicht somit eine hohe Planungssicherheit.
Tesla zeigt sich beim Thema Zusatzleistungen eher zurückhaltend. Auch hier gibt es eine betriebliche Altersvorsorge sowie 30 Urlaubstage. Wer auf mehr hofft, wird jedoch bereits beim Warten auf Weihnachts- oder Urlaubsgeld enttäuscht.

Resümee

Beide Unternehmen sind es bei der Jobsuche sicher Wert, einen genaueren Blick auf sie zu werfen. Sowohl VW als auch Tesla bieten interessante und vielfältige Stellenangebote und gute Aufstiegsmöglichkeiten. Wem langfristige Planungssicherheit und eine hohe Vergütung wichtig sind, offeriert VW wohl das bessere Gesamtpaket. Wer hingegen Experimentierfreudigkeit sowie den Wunsch nach schnellen Profilierungs- und Aufstiegschancen mitbringt und sich in unkonventionelleren Strukturen wohlfühlt, für den dürfte Tesla die richtige Adresse sein.