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Tipps für die Jobsuche im Corona-Jahr

Mehr Konkurrenz, weniger verfügbare Stellenangebote: Für Bewerber ist 2021 eine Herausforderung

In diesem Jahr werden so wenige offene Stellenangebote ausgeschrieben, wie schon lange nicht mehr. Waren es vor der Corona-Krise noch fast 1,5 Millionen verfügbare Jobangebote im Quartal, sind es im 3. Quartal 2020 nur noch etwas über 900.000 offene Stellenangebote gewesen.

Wer dieses Jahr seinen Job wechseln möchte oder muss, steht also vor ganz neuen Herausforderungen. Wir haben Tipps gesammelt, wie man als Bewerber derzeit gut mit der neuen Situation umgehen kann.

Bei der Sache bleiben und offen für Alternativen sein

Bei Bewerbungen kann man zum Beispiel antizyklisch handeln. So sind erfahrungsgemäß im Januar bzw. generell am Jahresanfang die Bewerber sehr viel aktiver als im Sommer oder am Jahresende. Wer sich also in den Sommermonaten oder im Dezember der Jobsuche widmet, hat wahrscheinlich deutlich weniger Konkurrenz.

Bewerber können sich natürlich auch schon dadurch einen Wissensvorsprung verschaffen, in denen sie bei XING / LinkedIn den Unternehmen folgen, für die sie gern arbeiten würden, bzw. deren Newsletter abonnieren. Oft werden hierüber offene Stellenangebote kommuniziert, bevor sie in den großen Jobportalen auftauchen.

Außerdem ist es manchmal sinnvoll, sich mit Zwischenlösungen zufrieden zu geben und sich auch Stellenangeboten zu widmen, die man vor zwei Jahren vielleicht nicht beachtet hättet. Da es 2021 allgemein eher schwieriger mit dem Traumjob werden könnte, kann man so Kontakte knüpfen, die dann eventuell die nächste Jobsuche erleichtern. Auch eine temporäre Phase der Selbständigkeit kann für interessante Kontakte oder neue Fähigkeiten hilfreich sein, die einen dann doch mittelfristig zum Traumjob führen.

Andere Branchen und Zukunftsfelder im Blick behalten

Nach Einschätzung verschiedener Arbeitsmarktexperten wird die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern wieder ansteigen und nur einzelne Branchen werden demnach vom Mangel an offenen Stellenangeboten betroffen bleiben. Daher kann es sinnvoll sein, auch mal ein Auge auf bisher fremde Branchen zu haben. So kann man sich z.B. statt konkrete Jobtitel oder Tätigkeiten im Fokus zu haben, mehr auf die eigenen Fähigkeiten zu achten und danach zu suchen. Ein Drittel der Unternehmen bevorzugt sogar Quereinsteiger.

Aber natürlich kann man auch im eigenen Unternehmen über andere Bereiche nachdenken, wenn man einfach nur das Tätigkeitsfeld ändern möchte. In allen kriselnden Branchen gibt es meistens auch Zukunftsfelder, die bessere Aussichten haben, als das berufliche Umfeld, in dem man derzeit vielleicht selbst arbeitet.

Auf Fähigkeiten konzentrieren und Stärken kennen

Klingt erstmal trivial, aber die meisten Bewerber konzentrieren sich immer noch auf ihre Berufserfahrung. Jedoch sind gerade in Krisenzeiten die sogenannten „Soft Skills“ wichtiger. Denn jetzt kommt es mehr auf Kommunikationsstärke oder zum Beispiel Kreativität an, insbesondere wenn man viel aus dem Home Office agieren oder sogar führen muss. Und die Digitalisierung der Unternehmen hat sich nun ja auch maßgeblich beschleunigt.

Jeder Wechselwillige kann nun also durch Weiterbildungen seine Fähigkeiten verbessern oder ganz neue Fertigkeiten herausbilden. Außerdem kann man neue Projekte im Unternehmen übernehmen und sich so für andere Bereiche qualifizieren. Wer sich eher als Problemlöser anbietet, denn als Arbeitskraft, hat auch 2021 sehr gute Chancen auf eine erfüllende neue Aufgabe.

Digitales Netzwerken

Berufliche Kontakte zu knüpfen ist mangels Messen oder After-Workshop-Veranstaltungen so schwierig geworden, wie seit Jahren nicht mehr. Aber dank Plattformen wie XING oder LinkedIn kann man sich dennoch für Unternehmen sichtbar machen und das sogar mit sehr wenig Aufwand.

Ein seriöses, gern auch professionelles Profilbild und ein stets aktueller Lebenslauf sind auf diesen Plattformen schon die beiden wichtigsten Schritte beim Netzwerken. Und mit Debattenbeiträgen sowie in den verschiedenen Gruppen kann man schnell auf sich aufmerksam machen.

Der Vorteil hierbei: Viele Unternehmen versuchen zuerst über diese sozialen Netzwerke Interessenten für ihre offenen Stellenangebote zu generieren, bevor sie teure Stellenanzeigen in den großen Jobportalen schalten. Außerdem kann man sich auch direkt bei den Ansprechpartnern (vielleicht sogar über gemeinsame virtuelle Kontakte?) ins Gespräch bringen und so zum Beispiel ein Kandidat für zukünftige Neubesetzungen werden.

Keine regionalen Einschränkungen mehr

Das Büro wird nach 2021 nicht verschwinden. Aber Home Office wird zumindest als zeitweise Lösung die neue Realität in den meisten Unternehmen werden – wenn sie es nicht schon längst ist. Da zugleich immer mehr Firmen (auch aus Kostengründen) auf Videokonferenzen, digitale Meetings und virtuelle Vorstellungsgespräche sowie virtuelles Onboarding setzen, ist es auch problemlos möglich, für Unternehmen aus entfernten Städten oder sogar aus anderen Ländern ohne Ortswechsel tätig zu sein. Ein Bewerber, dessen Fähigkeiten und Qualifikation überregional gefragt sind, kann sein Feld der offenen Stellenangebote also problemlos erweitern. Für viele Bewerber sogar ein Vorteil: Denn vor einem Videochat kann man sich Notizen machen und diese unsichtbar nutzen. Und dass die Hände feucht sind, merkt dann auch keiner!

Gehaltssprünge sind schwierig, aber es gibt auch andere Möglichkeiten

Fragt ein Mitarbeiter nach einem höheren Gehalt oder möchte durch einen Jobwechsel mehr verdienen, dürften viele Ansprechpartner mit Verweis auf die aktuelle Lage erst einmal abwinken. Wer aber darlegen kann, welchen konkreten Nutzen seine Arbeit für das Unternehmen bringt oder dass man sogar neue Kunden / Einsparpotenzial verschafft hat, kann auch 2021 mehr Geld für sich herausholen, vorausgesetzt das eigene Unternehmen kommt gut durch die Krise.

Ebenso können aber auch Alternativen zur Gehaltserhöhung für den Mitarbeiter oder das Unternehmen von Interesse sein. Flexiblere Arbeitszeiten, mehr Urlaubstage, das Jobticket des örtlichen Personennahverkehrs oder einfach eine schicke Ausstattung für das Home Office sind für die Firma sinnvolle Alternativen, nutzen dem Mitarbeiter und verschaffen meistens auch eine größere Bindung an das Unternehmen als etwas mehr Gehalt.